Glossar - Stilkunde
Möbel umgeben uns ein Leben lang, sie sind Spiegelbild unseres Lebensstils. Wir benutzen Sie und nutzen sie ab, wir pflegen sie oder verbannen sie auf dem Speicher. Heutige Möbel werden schneller unmodern als früher, und man richtet sich sorgar von Zeit zu Zeit völlig neu ein. Ganz anders erging es den seit einigen immer mehr gefragten Möbeln vergangener Epochen. Früher blieb ein Bürgerhaus mit dem dafür gefertigten Mobiliar meist über Gernerationen in der Familie, und nur in Notsituationen trennten sich die Besitzer von diesem oder jenem liebgewordenen Stück.
Damit sie einen ungefähren Überblick über die verwendeten Stilrichtungen und deren Entstehungszeit bekommen, habe ich hier eine kleine Übersicht erstellt. Die angegebenen Jahreszahlen sind natürlich nur eine ungefähre Zeitangabe die sich auch überschneiden können. Letztendlich gibt das Möbelstück selbst den verwenden Stil wieder.
Barock 1650 - 1740
-
Deutschland 1650 - 1740
Frankreich 1650 - 1710
Der Barockstil erstrebt die Schaffung eines Gesamtkunstwerkes in allen Kunstrichtungen. Besonders in der Baukunst: Großzügige Schlossanlagen (Versailles) und Patrizierhäuser und deren Ausstattung. Stark beeinflußt wurde diese Richtung vom Sonnenkönig Ludwig XIV (1643-1715), dessen prunkvoller Lebensstil und immense Representationssucht allen europäischen Höfen als Vorbild dienten.
Rokoko 1725 - 1770
-
Deutschland 1740 - 1765
Frankreich 1725 - 1760
Im Rokoko wird der schwere, architektonische Stil des Barock in spielerische und schwungvolle Formen und elegante Dekorationen aufgelöst. Schwung und Gegenschwung sowie zarte Pastellfarben setzen sich durch. Das typische und einmalige Stilelement ist die Muschel, die der Epoche auch den Namen gab. Diese Form die in vielen Variationen der Möbelkunst verwendet wurde sind Arragements aus Pfanzen, Blüten, Vögeln, Schmetterlingen, Gittermustern und Rosetten.
Louis XVI 1760 - 1810
-
Deutschland 1770 - 1790
Frankreich 1760 - 1800
Louis Seize ist ein Übergangsstil, der in Deutschland zum Biedermeier und in Frankreich zum Empire hinführt. Leichtigkeit und Eleganz werden noch beibehalten, Schweifungen und Asymmetrie abgelegt. Unter anderem durch die weltbewegenden Ausgrabungen in Pompeji und Herculaneum werden antikisierende Formen wieder eingeführt. Die Möbel zeigen geradlinige Formen und geometrische Einlegearbeiten, Eierstabfriese, Mäanderbände, klassische Rosetten, Vasen und Blumengebinde.
Klassizismus
-
Deutschland 1790 - 1845 Biedermeier
Frankreich 1800 - 1830 Empire
Die durch das Louis-Seize eingeleitete Stilepoche des Klassizismus orientiert sich an der Formenwelt der klassischen, antiken Architektur Griechenlands, Italiens und Ägyptens. Dieser Stil setzte sich in ganz Europa durch. In Deutschland im Biedermeier, in Frankreich mit dem Empire. Alle genannten Richtungen zeichnen sich durch strenge, klare Formen, einfache Maßverhältnisse und übersichtliche Gliederungen aus.In Anlehnung an die alten Mythologien werden für Beschläge und Dekor Füllhörner, Helme, Adler, Lyra, Rutenbündel, Bacchusmasken, Säulen, Palmetten, Fabeltiere usw. verwendet. Im deutschen Biedermeier werden die Möbel noch einfacher und zweckmäßiger, passen sich aber völlig den Ansprüchen des normalen Bürgertums an.
Historismus
-
Deutschland 1840-1870 2. Rokoko
1870 -1900 Gründerzeit
Frankreich 1830 -1850 Louis-Philippe
1850 -1870 Napoleon III
1870 -1900 Henry II
Der Historismus setzt in Europa mit der Nachahmung des Rokoko ein. Dann beginnt Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts Kopie und Nachbau aller historischen Stile. Keine Eigenständige Form wird mehr geschaffen. Neugotik, Neurenaissance, Neubarock und entsprechende Stilmischungen werden produziert. Neuartige Bearbeitungsmaschinen ermöglichen erstmals die industrielle Fertigung von Mobiliar und Einrichtungsgegenständen in hohen Stückzahlen. Typisch für diese "Neo" Stile, ist allein der Rückgriff auf die vergangen Epochen. Hinzu tritt eine Vorliebe für alles Orientalische. Japanische, chinesische, türkische, indische, persiche und arabische Motive werden vor allem im Kunsthandwerk gerne verwendet.
